Es ist schwer zu glauben – dennoch kann man auch dem Thema Friedhof Heiteres abgewinnen. Mit zunehmendem Alter relativiert sich die Beziehung zum Tod, und als geborene Wienerin habe ich zum Sterben ohnehin einen speziellen Zugang. Auch viele große Denker haben sich dem Sterben humoristisch entgegengestellt.

Dass man lebt ist Zufall. Dass man stirbt ist gewiss.
(Erich Kästner)

Die Lehre von der Wiederkehr Ist zweifelhaften Sinns.
Es fragt sich sehr, ob man nachher noch sagen kann: Ich bin’s.
(Wilhelm Busch)

AUF DEM FRIEDHOF

Eines der heitersten Gedichte zum Thema Begräbnis ist folgendes:

Ich sehe ein, dass wenn ich sterbe, den Freunden nur den Tag verderbe
 In dem, den Freunden zum Verdruss, ich halt beerdigt werden muss.
 
Den Ersten trifft's als harten Schlag: natürlich! Samstagnachmittag!
 Der Zweite ärgert sich nicht minder: mit meinem schäbigen Zylinder?
 
Der Dritte sagt: passt wie bestellt, im Westfriedhof - halb aus der Welt!
 Der Vierte ringt mit dem Entschluss, ob einen Kranz er geben muss.
 
Der Fünfte aber herzlos spricht: "So nah stand er mir schließlich nicht."
 Der Sechste denkt nach altem Brauch: ein Beileidsschreiben tut es auch.
 
Und rückhaltlos bekennt der Siebte, dass er mich überhaupt nicht liebte.
 
Zeit ist's. Der Sarg wird zugenagelt, es regnet draußen, stürmt und hagelt -
 Kann sein auch: Julisonne sticht - oh das vergessen sie mir nicht!

Es spricht Kollege, Freund und Vetter: "Der damals? Bei dem Schweinewetter?!
 Ich schreibe drum: mein letzter Wille - beerdigt mich in aller Stille!

(Herkunft ist mir unbekannt)
Karikatur von Franz Burchard Dörbeck „Totengräber“

Ein Friedhof in Wien

Und da wir schon bei den Gräbern angelangt sind, darf Ferdinand Sauter nicht unerwähnt bleiben. Er war ein Wiener Volksdichter zur Zeit des Vormärz und schuf meist schwermütige, aber auch politische Gedichte. Am besten beschreibt ihn wohl sein morbides Selbstporträt:

Immer lustig lebt der Sauter,
 Treu ist sein Gemüt und lauter,
 Tausend Hirngespinste baut er,
 Und sich selber nicht vertraut er,
 Alles was er hat, verhaut er,
 Wie ein Vogel Strauß verdaut er,
 Wenn oft Selchfleisch isst mit Kraut er,
 Schöne Mädchen gerne schaut er,
 Wie ein Kater dann miaut er,
 Leider aber schon ergraut er,
 Immer mehr und mehr – versaut er.

1853 wurde er eines der ersten Opfer der Cholera. Doch schon vorher schrieb er den Text für seinen Grabstein selbst. Sein (Ehren-)Grab befindet sich auf dem Hernalser Friedhof in Wien.

Grab-von-Ferdinand-Sauter-Wien
Viel genossen, viel gelitten,
Und das Glück lag in der Mitten;
Viel empfunden nichts erworben
Froh gelebt und leicht gestorben.
Fragt nicht nach der Zahl der Jahre
Kein Kalender ist die Bahre.
Und der Mensch im Leichentuch,
Bleibt ein zugeklapptes Buch.
Darum Wand’rer zieh‘ doch weiter,
Denn Verwesung stimmt nicht heiter.

Grab-Inschriften in Tirol

Ebenfalls in Österreich finden sich zahlreiche lustige Grabsteine, vor allem in Tirol. So beispielsweise folgende Kreuz-Inschrift auf dem Friedhof von Zirl:

„Hier liegt Nothburga Stöber.
Sie starb versehen mit den k.u.k. Sterbesakramenten“

Jede Menge witziger Inschriften finden sich auf dem Museumsfriedhof in Kramsach in Tirol. Meist beschreiben sie kurz und knapp und durchaus heiter-zynisch das Leben des/der Verblichenen. Es handelt sich dabei um die größte Grabkreuzsammlung in Europa. Wenn ich auch leise Zweifel habe, ob tatsächlich alle Grabkreuze authentisch sind, so finde ich die meisten doch wirklich lustig, zumal sie keine echten Gräber schmücken.

Und zu guter Letzt:

Hier schläft zu keines Menschen Leid
Eine reichlich angejahrte Maid,
Die von der Wiege bis zu diesem letzten Hause
Schwätzte und zankte ohne Atempause.
(Unbekannte Herkunft)

Quellen: Tirol Infos und Alpbachtal

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