Ein kleiner, heiterer Beitrag zu klösterlichem Leben, das nicht immer von stiller Einkehr und frommer Gesinnung getragen war. Es gab kaum eine Zeit, da das Klosterleben den Idealen von Askese und Verzicht gerecht wurde. Zwischen Völlerei und Hurerei einerseits und Selbstgeißelung andererseits war so ziemlich alles möglich. Seit dem 14. Jahrhundert gibt es diesbezüglich lustige Texte und Bilder. Davon soll hier andeutungsweise die Rede sein.

Das 14. und 15. Jahrhundert

Dieses Lied wurde um 1359 gesungen:

Gott geb ihm ein verdorben Jahr,
 Der mich macht zu einer Nonnen,
 Und mir den schwarzen Mantel gab,
 Den weißen Rock darunter,
 Soll ich ein Nönnchen werden
 Dann wider meinen Willen,
 So will ich auch einem Knaben jung
 Seinen Kummer stillen,
 Und stillt er mir den meinen nicht,
 So sollt es mich verdrießen.

Aus: "Des Knaben Wunderhorn"
Bruder Fettwamst, 1609
Bruder Fettwamst, 1609

Hans Rosenplüt (der Schnepperer) lebte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Nürnberg. Der Volksdichter schuf vor allem Texte für den Karneval, die teils erotischen Inhalts sind. Er hinterließ auch köstliche Verse über Mönche und Nonnen.

Wer einem Wolf traut auf der Heide
 Und einem Bauern glaubt auf seinem Eide
 Und einem Mönch auf sein Gewissen,
 Der wird hier und dort beschissen. 

(Quelle: Wikipedia)
Die gemeinen Weiber klagen auch an allen Orten,
 ihre Weide sei viel zu mager geworden.
 Die Winkelweiber und Hausmädchen
 fressen täglich ab ihre Weide.
 Auch klagen sie über die Klosterfrauen,
 Die können so hübsch über die Schnur hauen.
 Wenn sie zu Ader lassen oder baden,
 So haben sie Junker Konrad geladen.

(Quelle: Antiklerikale Karikaturen und Satiren)
R. Brakenburg-Der lüsterne Mönch,1691
R. Brakenburg-Der lüsterne Mönch,1691

Klosterleben im 18. Jahrhundert

Der französische Kleinadlige Abbé Prevost, der mehrfach dem Klerus/Klosterleben angehörte und mehrfach auch wieder nicht, schrieb einen ganzen Roman über die unzumutbare klerikale/klösterliche Enthaltsamkeit. In seiner „Geschichte des Chevalier des Grieux und der Manon Lescaut“ von 1731 gibt sich ein junger Mann, der für den geistlichen Stand bestimmt war, einer jungen Frau hin, die ihrerseits – wen wundert es – für ein Leben im Kloster ausersehen war.

Bezeichnenderweise handelt das Werk von einem jungen Kleinadligen (autobiografische Bezüge können nicht ausgeschlossen werden), der sein Theologiestudium aufgibt, um sich einer jungen Frau hinzugeben, die – wen wundert es – für das Klosterleben bestimmt war. Nach langen Irrungen und Wirrungen, Treuebrüchen ihrerseits und ihrem Tod kehrte er reumütig in den Schoß von Mutter Kirche zurück.

„Wir scherten uns nicht um die Gebote der Kirche und wurden Mann und Frau, ohne lange zu überlegen.“

Und an anderer Stelle:

„Das Gift der Wollust hat dich vom rechten Weg abgebracht. Was für ein Verlust für die Tugend!“

Nach langen Irrungen und Wirrungen und dem Tod der Geliebten kehrt der junge Held reumütig in den Schoß von Mutter Kirche zurück.

Trotz des reichen Schaffens von Abbé Prevost hat nur dieser Roman die Jahrhunderte erfolgreich überlebt. Wahrscheinlich hauptsächlich deshalb, weil er einen idealen Opernstoff abgab.

Pater Paul und die blauäugige Nonne von St. Katharina, England 1770
Pater Paul und die blauäugige Nonne von St. Katharina, England 1770

Nicht lange nach Erscheinen der „Manon Lescaut“, nämlich 1771, schrieb Gotthold Ephraim Lessing in seinen „Sinngedichten“ folgende beiden Verse:

Ein Hurenhaus geriet um Mitternacht in Brand.
 Schnell sprang zum Löschen oder Retten
 ein Dutzend Mönche von den Betten.
 Wo waren die? Sie waren — bei der Hand.
 Ein Hurenhaus geriet in Brand.

Und:

Denkt, wie gesund die Luft, wie rein
 Sie um dies Jungfernstift muss sein!
 Seit Menschen sich besinnen,
 Starb keine Jungfer drinnen.

Klosterleben im 19. Jahrhundert

1825 has sich auch Goethe in „Zahme Xenien“ des Klosterlebens angenommen:

Niemand soll ins Kloster gehn,
 Als er sei denn wohl versehn
 Mit gehörigem Sündenvorrat,
 Damit es ihm so früh als spat
 Nicht mög am Vergnügen fehlen,
 Sich mit Reue durchzuquälen.
Thomas Rowlandson, Symptome der Heiligkeit, 1801
Thomas Rowlandson, Symptome der Heiligkeit, 1801

1841 schrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit dem Titel „Guter Rat“ folgende heitere Zeilen:

Willst du frei sein von Beschwerden,
 Arme Seele, hier auf Erden,
 Auf! nach München musst du ziehn:
 Dort steht jede Kunst in Blüte,
 Dort wird jeglichem Gemüte
 Irgend noch ein Heil verliehn.
 
Bei des Herrn demüt'gen Dienern,
 Bei den frommen Kapuzinern,
 Arme Seele, nimm Quartier!
 Ihnen kann man ganz vertrauen,
 Denn die heil'gen Väter brauen
 Doch das allerbeste Bier.
Carl Spitzweg - Vom Geier zum Mönch, um 1840
Carl Spitzweg – Vom Geier zum Mönch, um 1840
Carl Spitzweg - Der Klosterbruder, 1843
Carl Spitzweg – Der Klosterbruder, 1843

Das 20. Jahrhundert

Und abschließend noch zwei passende Zitate:

„Es gibt kaum einen traurigeren Anblick als eine junge Nonne – ausgenommen eine alte.“

Karlheinz Deschner (Autor der „Kriminalgeschichte des Christentums“)

„Auch Nonnen, die oft mangels Mitgift in die Klöster gezwungen wurden, waren so sittenlos, dass sich ehrliche Huren über den unlauteren Wettbewerb beschwerten.“

Peter de Rosa (ehemals Dekan für Theologie am Corpus Christi College)

Mehr zum Thema: DAS KURIOSE LEBEN DER PÄPSTE

Mit Dank an eine wertvolle Quelle: Antiklerikale Karikaturen und Satiren

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